You build it, you run it in den Alpen: Von Agentur-Support zu In-House Entwicklung

von Ursin Saluz am

Die Evolution der Inside LAAX App

Ursprünglich als Teil der Weissen Arena konzipiert, haben sich die Schöpfer der Inside Laax App 2016 als Inside Labs ausgegründet, um mit einer unabhängigen Positionierung die App zu skalieren und einen grösseren Markt zu bearbeiten. Bei den innovativen Köpfen von Inside Labs wurden die ersten Schritte der App gemacht. Ein beeindruckendes Ökosystem aus Tickets, Gamification, Fahrplänen, E-Shuttle, Gastro-Table-Ordering bis hin zum Loyalitäts-Punktesystem ist entstanden. Alles vereint in einem Backend, das als Container in der Cloud betrieben wurde und dynamisch skalieren konnte – eine technische Meisterleistung für die Tourismusbranche.

Aus meiner Arbeit bei Namics & Merkle habe ich bereits Erfahrung mit digitalen Ökosystemen gesammelt und auch schon Projekte im Bereich Custom Software Entwicklung, z.B. bei Clyde, einem Auto-Subscription-Business, umgesetzt. Komplexe Systeme haben mich also nicht abgeschreckt – im Gegenteil: Von Faszination und Tatendrang gepackt wollte ich mich einbringen und neue Features entwickeln, und so die App auch ein Stück weit zu meinem eigenen Baby machen.

Der Shift zur In-House Entwicklung

Durch unseren Tatendrang wuchs auch der Feature-Backlog stetig an. Um mehr Standardisierung in ihren Produkten bemüht, konnte auch Inside Labs nicht mehr mit dem Hunger der Weissen Arena Gruppe Schritt halten, und so wurde entschieden, die Entwicklung wieder ins eigene Haus zu holen. Wir machten uns zügig daran, Entwickler zu rekrutieren und ein schlagkräftiges Team aufzubauen, das die Weiterentwicklung der App selbst in die Hand nehmen konnte.

Erstaunlicherweise war der erste Senior Developer schnell gefunden – er hatte bereits eine Vergangenheit mit der App, weil er zuvor für Inside Labs entwickelt hatte. Das brachte wertvolles Know-how mit und verkürzte die explizite Übergabe erheblich. Ein Glücksfall, der uns viel Zeit ersparte und uns einen fliegenden Start ermöglichte.

Ein Entwickler war jedoch noch lange nicht genug, um unser ambitioniertes Vorhaben zu stemmen. Wir haben also weiter gesucht und innerhalb von bemerkenswerten 10 Monaten ein schlagkräftiges Team aus drei Senior Entwicklern und einem Junior Developer zusammengestellt. Eine explizite PO-Rolle gab es anfangs nicht – wir waren drei Projektleiter, die überall ihre Finger im Spiel hatten und gemeinsam die Richtung vorgaben.

team2021

Die impliziten Aspekte zum Know-how-Transfer und vor allem zum Team-Building dauerten etwas länger als erwartet. Bis alle ihre Rollen gefunden hatten und das Ownership der Systeme und Plattformen vollständig zu der Weissen Arena Gruppe gewechselt war, verging durchaus einige Zeit. Auch das Verhältnis zu Inside Labs war am Anfang etwas angespannt – die Entscheidung, die App zur Weissen Arena zurückzuholen, hatte einen direkten Einfluss auf die jungen Produktentwickler. Wir haben aber stets guten Kontakt gehalten und die Zusammenarbeit fortgeführt, vor allem in den Bereichen Marketing, Automation und Engagement.

Hüte im Überfluss: Meine Rollen und wie sie sich entwickelten

Mit der zunehmenden Internalisierung der Strukturen hat sich auch meine Rolle stetig weiterentwickelt. Zu Beginn hatten wir viele Freiheiten, und wir haben uns intensiv bemüht, möglichst selbstbestimmt und transparent zu arbeiten. Als überzeugter Advokat für selbstorganisierte Teams habe ich stets versucht, das Team zu befähigen, eigene Prozesse zu entwickeln und zu verfeinern.

Wir haben regelmässige Retrospektiven durchgeführt, um die Zusammenarbeit zu stärken und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu etablieren. Der regelmässige Austausch mit internen und externen Stakeholdern, wie beispielsweise der Destinationsmanagement-Organisation (DMO), gehörte ebenso zu unserem Arbeitsalltag wie das Teilen unserer Pläne und Roadmaps. Wie oft wir unsere Roadmap angepasst haben, um auf sich ändernde Anforderungen und Prioritäten zu reagieren, kann ich gar nicht mehr mitzählen – Agilität in ihrer reinsten Form.

Auch das Team-Umfeld hat sich stetig weiterentwickelt. Die Entwickler haben sich selbst organisiert, gegenseitig geschult und sind langsam aber sicher zu einem echten Team zusammengewachsen – mit allen Herausforderungen, die entstehen, wenn verschiedene Vorstellungen und Arbeitsweisen aufeinandertreffen. Ein besonderer Meilenstein war die Einstellung einer UX-Designerin, zunächst in Teilzeit und später im Vollzeitpensum. Das brachte eine ganz neue Dynamik und vor allem Qualität ins Team. Auf einmal konnten wir unsere Arbeit visuell ansprechend darstellen und kommunizieren, was eine völlig neue Diskussionsgrundlage mit den Stakeholdern schuf.

Nun stand uns nur noch die Aufgabe bevor, uns operativ so aufzustellen, dass wir strukturiert Wert liefern und gleichzeitig die Stabilität des Systems gewährleisten konnten – ganz im Sinne der DevOps-Philosophie.

Zu meinen Hauptaufgaben zählte die Betreuung verschiedener Systeme wie Infosnow (Live-Karte und Live-Daten), Braze (Campaign & Engagement), Guidle (Events & POIs) sowie die CMS und Ticketingsysteme. Wir haben Priorisierungsworkshops durchgeführt und Feature-Workshops mit Stakeholdern veranstaltet, um die Entwicklung gezielt zu steuern. Dabei habe ich auch operativ mitgearbeitet: Content gepflegt, neue Tickets getestet und aufgeschaltet, Discount-Logiken und Tokens definiert und implementiert.

Mit der Zeit habe ich mich sogar in technische Bereiche vorgewagt – Code Reviews durchgeführt, kleinere Code-Änderungen selbst vorgenommen und neue Versionen unserer Metabase-Instanz auf AWS Elastic Beanstalk deployed und so auch Technologien wie Docker besser kennengelernt. Auch regelmässige Pikettdienste an den Wochenenden und über die Feiertage gehörten zu meinen Aufgaben – eine Herausforderung, die aber das Verständnis für die Bedeutung unserer Systeme schärfte. Einen grossen Dank geht hierbei an meinen Vorgesetzten, der mich immer gefördert hat, Neues zu lernen und auch an das gesamte Team, das mir mit Geduld und Unterstützung den Prozess erleichterte.

Im nächsten Beitrag nehme ich euch mit hinter die Kulissen des operativen Betriebs der Systeme und teile meine wertvollsten Learnings aus drei Jahren bei der Weisen Arena AG – echte Herausforderungen, spannende Erkenntnisse und praktische Insights inklusive!

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Ursin Saluz

Principal Consultant

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